Dienstag, 29. März 2016

Andreas Eschbach: Seine Arbeitsweise am Roman

Foto: ©Marianne Eschbach

Bald erscheint ein neues Buch von dir. Ich nehme an, dass du noch nichts Genaues darüber berichten darfst. 
Aber würdest du am Beispiel des Romans deine Arbeitsweise erläutern?

1.  Wie funktioniert es bei dir mit der Idee? Vermerkst du viele und sortierst dann eine aus? Oder funkt es sofort und du willst unbedingt eine bestimmte Idee umsetzen?

Also, "sofort" geht bei mir gar nicht. Wenn ich mich ans Schreiben eines neuen Romans mache, dann ist die Grundidee – das habe ich mal nachgeprüft – in der Regel mindestens sechs Jahre alt. Bei meinem nächsten Roman, der im Herbst erscheint (und über den ich noch nichts verrate) ist es sogar über zwanzig Jahre her, dass ich die Idee dazu in mein Ideenbuch gekritzelt habe. In dem blättere ich immer wieder, ergänze Ideen ZU den Ideen, und so wachsen verschiedene Romanideen über die Jahre hinweg, bis sie groß genug sind, dass ich sie in Form von Exposés und Outlines umtopfen kann. Wobei man das einer Idee lange nicht ansieht, was daraus werden kann – deswegen halte ich jede davon fest, auch die allerverrücktesten.

2. Stellst du einen Plan auf, wie du beim Manuskript vorgehst?

Ja, ich starte immer mit einem genau ausgearbeiteten Plan. An den ich mich dann meistens, je weiter der Roman fortschreitet, immer weniger halte, weil die Geschichte doch ganz anders wird als gedacht. Aber das macht nichts, im Gegenteil: Mir macht es Spaß, wenn ich mich sozusagen selber überrasche. Trotzdem mache ich ohne Plan gar nichts, auch sonst im Leben ;-)

3. Schreibst du regelmäßig jeden Tag und wie viele Seiten schaffst du durchschnittlich?

Wenn ich am Schreiben bin, schreibe ich so gut wie jeden Tag, ja. Und ich kalkuliere mit vier Seiten pro Tag. Natürlich kann es mal mehr werden – ein guter Tag sieht schon mal zehn, fünfzehn, zwanzig Seiten neu entstehen, dafür lösche ich an anderen Tagen mehr als ich schreibe.

 4. Brauchst du zum Arbeiten am Roman eine gleichbleibende Umgebung, ein Ritual oder eine besondere Stimmung?

Nein. Alles, was ich brauche, ist, dass man mich in Ruhe lässt und eine Weile keiner was von mir will. Ich kann auch auf Reisen schreiben, in Hotelzimmern, egal wo. Am inspirierendsten finde ich übrigens Bahnfahrten. Erfreulicherweise dauert eine Zugfahrt von hier nach Deutschland fast zwölf Stunden; in der Zeit schreibe ich manchmal mehr als sonst in einer ganzen Woche.

5. Welche Autorentätigkeit magst du am wenigsten?

Alles, was mit Buchpromotion zu tun hat – Lesereisen, Interviews, Fotoshootings und so weiter. Damit will ich, wohlgemerkt, nicht sagen, dass ich das alles GAR nicht mag, aber die Frage war ja, was mag ich am WENIGSTEN. Und wenn man mich vor die Wahl stellen würde, entweder: ich kann bis an mein Lebensende nur noch schreiben, darf aber nie mehr vor eine Kamera oder ein Publikum treten, oder: ich darf nie wieder schreiben, kann aber mein restliches Leben mit Lesungen und Presseterminen verbringen, dann würde ich ohne jedes Zögern die erste Option wählen und nur noch schreiben.

Vielen Dank!

Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Bis 1996 Geschäftsführer einer EDV-Beratungsfirma, lebt er inzwischen als freier Schriftsteller in der Bretagne. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen "Das Jesus-Video", "Die Haarteppichknüpfer", "Eine Billion Dollar", "Ausgebrannt" und "Herr aller Dinge".

Website:  www.andreaseschbach.com  

Dienstag, 22. März 2016

Interview mit Holger Karsten Schmidt, Drehbuch-und Romanautor


1. Du schreibst neben Drehbüchern auch Romane. Fällt dir die Umstellung schwer?

Nein. Ich freue mich immer, wenn ich zum Roman wechseln kann, weil es im Roman viel weniger erzählerische Beschränkungen gibt als im Drehbuch. Ich wechsle nur ungerne ins Drehbuch zurück.

2. Bei Filmen wird ein Riesenrummel um Regisseure und Schauspieler gemacht. Drehbuchautoren scheinen dabei oft unterzugehen. Ist das wirklich so?

Ja. Nimm Deine drei Lieblingsfilme. Du wirst sehr wahrscheinlich sagen können, wer die drei Hauptrollen gespielt hat. Bei den Regisseuren wird es vermutlich schon haken. Und bei den Autoren wird die Antwort dreimal sein „Weiß ich nicht.“
Das ist innerhalb der Filmbranche nicht anders. Das liegt auch daran, dass der Autor nie Teil des Teams ist – denn der hat seine Arbeit vor dem ersten Drehtag beendet.
Laut einer Umfrage gehen 81% der Deutschen wegen der Story ins Kino – aber kaum einer weiß, von wem sie stammt.

3. Wie ist der Stand der Drehbuchautoren hier im Vergleich zu denen in den USA?

Die Wertschätzung der Urheber endet hier oft dann, wenn sie mehr kostet als Atemluft.
In den USA hat man die Entscheidungshoheit über die Geschichten jenen zurückgegeben, die sie sich ausgedacht und niedergeschrieben haben: den Autoren.
In Deutschland meinen oft sehr viele Beteiligte, dass sie besser wissen wie die Geschichte funktioniert und es zu wenige gibt, die sie davon abhalten.
Am Ende steht oft ein wackeliger Konsens-Film, der es jedem recht machen möchte – aber keine klare Handschrift mehr aufweist.
Hinzu kommt, wenn man es wirtschaftlich betrachtet, dass sich die andere Wertschätzung der US-Kollegen für ihre Autoren auch finanziell niederschlägt. Von dem Etat eines deutschen Filmes geht nur ein Bruchteil dessen in die Stoffentwicklung, was in den USA investiert wird.

4. Wenn du keine Vorgaben hättest, auch kein Stimmchen im Hinterkopf, das dir sagt, Sender nehmen dies und das nicht, was würdest du da am liebsten schreiben?

Ich habe einige Geschichten, die den Sendern zu teuer, zu brisant, zu sperrig, zu „arthouse“, zu hart, zu nihilistisch, zu märchenhaft sind – die bewahre ich mir einfach für einen Roman auf.
Einige sind schon als Drehbücher geschrieben – was für mich immer eine sehr dankbare Arbeitsgrundlage für den Roman darstellt - , andere noch nicht.

5. Was sind deine nächsten Projekte?

Für KiWi entwickle ich gerade „Lost in Fuseta“ über einen deutschen, autistischen Kommissar, der mit portugiesischen Kollegen an der Algarve ermitteln muss – in Fuseta.

Im Filmbereich starten im Juni die Dreharbeiten zu „Gladbeck“, einem Zweiteiler über das Geiseldrama von 1988.
Im Bereich Drehbuch entwickle ich in einem Writers Room zusammen mit anderen Autoren eine Serie über die Kolonialisierung des Mars. Ansonsten habe ich ebenfalls für KiWi den Roman „Die Toten von Mirow“ geschrieben und adaptiere ihn gerade als Vierteiler für die ARD. Roman und Film sollen dann kurz hintereinander publiziert bzw. ausgestrahlt werden, voraussichtlich im Herbst 2017.

Vielen Dank!

Angaben zur Person:

Holger Karsten Schmidt, Jahrgang 1965, ist gebürtiger Hamburger und hat nach einigen beruflichen Umwegen 1991 an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg Drehbuch studiert. Bereits während seines Studiums konnte er mit ersten abendfüllenden Spielfilmen zunächst im Fernsehen und mit seinem Diplomdrehbuch „14 Tage lebenslänglich“ auch im Kino Fuß fassen.

In den letzten 20 Jahren hat der gefragte Drehbuchautor über 70 Drehbücher geschrieben. Er war für zahlreiche Preise nominiert und hat einige gewonnen, darunter zwei Mal den renommierten Grimme-Preis für „Mörder auf Amrum“ und „Mord in Eberswalde“.

2011 gab Holger Karsten Schmidt mit „Isenhart“, einem Plädoyer für das freie Denken im Gewand einer mittelalterlichen Lebensgeschichte eines Hochbegabten, sein Romandebüt.

Dem folgte 2015 sein auf Recherchen beruhender Thriller „Auf kurze Distanz“, in dem ein verdeckter Ermittler die Wettmafia infiltriert.
2016 wird „Lost in Fuseta“ erscheinen.

Schmidt lebt mit seiner Frau in Asperg bei Ludwigsburg.

Drehbücher (kleine Auswahl): 

"Ein starkes Team - Träume und Lügen"
"In Sachen Kaminski"
"Mörderische Erpressung"
"Tatort: In eigener Sache"
"Der Seewolf"
"Tatort: Spiel auf Zeit"
"Kommissarin Lucas - Der nette Herr Wong"
"Jack the Ripper - Reloaded"
"Tatort: Preis des Lebens"
"Das weiße Kaninchen"
"Nord bei Nordwest - A Girl`s best Friend"

Homepage: holger-karsten-schmidt.de

Montag, 7. März 2016

Interview zum Buch "Der Mensch-Hund-Code: Selbstbewusst durch den Dschungel der Hundeszene"


Für meine Fragen stellte sich freundlicherweise einer der beiden Autoren, nämlich Elli H. Radinger zur Verfügung.
Foto: Ulla Bergob

1. In zwei Tagen erscheint im Franckh Kosmos Verlag euer Buch „Der Mensch-Hund-Code: Selbstbewusst durch den Dschungel der Hundeszene“. Worum geht es darin?

Unser neues Buch ist ein Plädoyer für die Belange von Hund und Mensch und für ein entspanntes Zusammensein. Und wir geben Hundebesitzern Ratschläge, wie sie sich gegen die Scharlatane in der Hundeszene wehren können.

2. Es gibt schon viele Ratgeber für Hundehalter. Warum habt ihr ausgerechnet dieses Buch geschrieben?

Wir haben in den Jahrzehnten, in denen wir uns mit Wölfen und Hunden beschäftigen immer wieder von „superneuen, einzigartigen, patentierten Trainingsmethoden“ gehört, bei denen Hundehaltern versprochen wird, alle Probleme zu lösen und innerhalb kurzer Zeit den perfekten Hund zu erhalten – vorausgesetzt, es wird eine bestimmte Summe Geld für dieses „einmalige“ Training bezahlt. Wir haben erlebt, wie unsichere Hundehalter gnadenlos abgezockt werden, und am Ende ein verzweifeltes Hund-Mensch-Team übrig bleibt. Das konnten wir nicht mehr mit ansehen. Wir möchten Hundehaltern Mut machen, auf ihren Bauch zu hören und entspannt mit ihrem Tier zu leben. Niemand muss perfekt sein, weder Hund noch Hundehalter.
Dabei möchte ich aber noch anmerken, dass die meisten Hundeschulen und Hundetrainer eine wunderbare Arbeit leisten, wovon niemand spricht. Aber die „schwarzen Schafe“ richten leider den schlimmsten psychischen Schaden an.

3. Wie lange habt ihr dafür benötigt?

Etwas weniger als ein Jahr mit einem heißen Herbst-Endspurt bei Günther in der Prairie von Kanada – nur kurz unterbrochen von einem Puma, der am Fenster vorbei lief.

4. Ich stelle mir die Zusammenarbeit zweier Autoren schwierig vor. Wie hat sie bei euch funktioniert?

Dies ist ja schon das vierte Buch, das wir zusammen machen. Wir kennen uns seit 1991 und haben durch die Wolfsforschung eng zusammengearbeitet. Unsere gemeinsame Arbeit funktioniert wie bei einem Wolfsrudel: Jeder trägt seinen Teil zum Manuskript bei und zwar nach seinen Fähigkeiten und Schwerpunkten. Dank Internet und E-Mail schicken wir dann unsere Manuskripte hin und her und ergänzen oder überarbeiten. Ganz ohne persönliche Treffen und Absprachen geht es jedoch nicht. Darum sehen wir uns, wenn Günther in Deutschland auf Vortragsreise ist, oder ich fliege nach Kanada.

5. Gibt es bereits Pläne, worüber ihr als nächstes schreiben möchtet?

Ja, wir haben gerade einen Vertrag über ein neues Wolfsbuch bei Kosmos unterschrieben. Diesmal geht es um die Wölfe in Deutschland und die vielen Irrtümer, die bei uns immer noch über Wölfe herrschen. Erscheinen wird das Buch im Frühjahr 2017.

Autoreninfo

Günther Bloch führt seit Jahrzehnten im In und Ausland Fachseminare für Hundeleute durch. Viele typische Gesetzmäßigkeiten von Sozialverhalten hat er sich von wilden Hunden in Italien, in Indianerreservaten und in seiner Hundepension abgeschaut.
Bloch lebt in Kanada und erforscht dort seit über 25 Jahren das Verhalten wild lebender Wölfe.

Web: www.hundefarm-eifel.de/

Elli H. Radinger ist Fachjournalistin und Autorin mit Schwerpunkt Wolf und Hund. Die Naturforscherin und Wolfsexpertin beobachtet seit über 25 Jahren wild lebende Wölfe im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark und gibt seit 1991 das Wolf Magazin heraus. Zudem hält sie Lesungen, Vorträge und Seminare.

Web:
www.elli-radinger.de
www.wolfmagazin.de
www.yellowstone-wolf.de

Alle gemeinsamen Bücher findet ihr hier:
http://www.elli-radinger.de/autorin-wolfsbuecher/buecher-wolf-und-hund.html