Samstag, 13. August 2016

Iny Lorentz: Das Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath

© Fotostudio Berger

- Ihr habt sehr viele Bücher verfasst. Gibt es für euch noch die Faszination des geschriebenen Wortes oder ist jetzt alles Routine?

Sollte das Schreiben jemals Routine werden, müssen wir uns eine andere Beschäftigung suchen. Jeder Roman besitzt seinen eigenen Reiz und fordert seine spezielle Art, in der er geschrieben werden will. Es ist daher jedes Mal für uns eine neue Herausforderung, der wir uns mit Begeisterung stellen. Da wir bei unseren historischen Romanen quer durch die Zeiten und Länder reisen, gibt es für uns auch kein routiniertes Abhandeln einer gewissen Epoche, sondern immer ein neues Feld, das zu besäen gilt. Spielte ‚Die steinerne Schlange‘ im Jahr 213 n. Chr., so endete ‚Der rote Himmel‘ im Jahr 1886 n. Chr. Die Schauplätze unserer Romane reichen von Russland bis Texas und von Irland bis Süditalien und darüber hinaus. Durch die notwendigen Recherchen und wenn möglich, entsprechende Recherchereisen, lernen wir immer wieder neues kennen und freuen uns darauf, all diese Ideen, die dabei entstehen, in Romanform umzusetzen.

- Eine Frage, die ich immer wieder gern stelle: Wie arbeitet ihr zusammen?

In vielen Gesprächen daheim und auf Recherchereisen entwickeln wir die Romanidee immer weiter, bis Elmar irgendwann genug Informationen besitzt, um sich an den Computer setzen und den Rohtext des Romans schreiben zu können. Auch in der Phase reden wir über den Inhalt und passen gegebenenfalls Handlungsstränge an. Iny erhält die einzelnen Teile des Romans zur Kontrolle und gibt ihre Kommentare dazu ab. Sobald Elmar den ganzen Roman von Anfang bis Ende geschrieben hat, überarbeitet er ihn noch einmal und übergibt ihn Iny. Diese überarbeitet ihn fünf Mal, wobei Elmar jede Fassung liest und seinerseits seine Kommentare dazu an die entsprechenden Stellen im Text einträgt. Jeder von uns beschäftigt sich damit sieben Mal mit dem jeweiligen Roman. Wenn er dann fertig ist, sind wir mit ihm zufrieden.
Während Elmar seine Rohschrift erstellt, überarbeitet Iny den Roman, den er vorher geschrieben hat. Elmar liest diesen durch und macht wie bereits erwähnt seine Anmerkungen. Im Gegenzug liest Iny die Rohtextteile, der er gerade erstellt. Dazu kommt die Vorbereitung des nächsten Romans, den Elmar in Angriff nehmen wird einschließlich der nötigen Recherchereisen. Außerdem geht der Blick weiter nach vorne auf die Romane, die noch kommen sollen, und die auch geplant werden müssen. Wir haben uns diese Arbeitsteilung vor über dreißig Jahren angewöhnt und können gut von einem Roman zum anderen umschalten. Am idealsten ist es natürlich, wenn ein Mittag- oder Abendessen dazwischenliegt. Es reicht aber auch eine Viertelstunde Wäsche sortieren oder ins Internet schauen.

- Eure schriftstellerischen Anfänge waren, soviel ich weiß, in der SF-Szene. Kann man die Texte noch irgendwo nachlesen?

Die ersten Anthologien, bei denen wir mit Kurzgeschichten beteiligt waren, sind vor 34 Jahren erschienen. Man kann sie aber immer noch über ZVAB oder Amazon beziehen. Die Titel sind auf unserer Homepage unter Werke - Kurzgeschichten aufgelistet.

- Wie ist es euch damals gelungen, einen Verlag zu finden?

Bei Inys erster Kurzgeschichte war es reiner Zufall. Wir waren beide in einem Fantasy-Club. Ein anderes Mitglied bekam vom Heyne-Verlag den Auftrag, eine Fantasy-Anthologie mit Kurzgeschichten von zumeist amerikanischen und englischen Autoren zusammenstellen. Er wollte aber auch eine Kurzgeschichte aus Deutschland dabeihaben und so fragte er Iny, ob sie ihm eine schreiben würde. Iny meinte entsetzt, dass sie noch nicht soweit wäre, aber er meinte: mach mal. Das tat sie dann auch. Kurz darauf fuhren wir zum ersten Mal zur Frankfurter Buchmesse und sprachen nach gewissen Startschwierigkeiten den SF-Lektor des Goldmann-Verlags an, der uns einem seiner Anthologisten vorstellte. In den Folgejahren wurde ein gutes Dutzend Kurzgeschichten von uns in Anthologien verschiedener Verlage sowie ein Kinderbuch veröffentlicht.
In der Folgezeit kam es zu einer gewissen Schreibpause, bis dann bei Elmar der Wille, erneut zu schreiben, zu groß wurde. Die Suche nach einem Verlag ging hier weitaus schwerer vonstatten als zwei Jahrzehnte zuvor. Wir suchten schließlich nach einer Agentur, die uns vertreten sollte, aber auch das entwickelte sich zu einer endlosen Geschichte und erst der neunte Versuch brachte Erfolg. Lianne Kolf gelang es, unsere historischen Romane an Knaur zu vermitteln, und hier haben wir bislang dreißig historische Romane veröffentlicht.

- Welchen Roman habt ihr nun in Arbeit?

Im Frühjahr 2017 erscheinen die beiden Romane ‚Die Wanderapothekerin‘ und ‚Die Liebe der Wanderapothekerin‘, die vor dem Hintergrund des Laboranten- und Buckelapothekerwesens in Thüringen Anfang des 18, Jahrhunderts spielen. Die beiden Romane sind bei Knaur bereits als E-Books erschienen und kommen nun endlich auch als Taschenbücher. Im Herbst 2017 kommt ein neues HC auf den Markt, das gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingeordnet werden kann. Es hat auf jeden Fall mit unserer letztjährigen Recherchereise nach Polen zu tun, bringt aber auch noch ein paar andere Aspekte.

2018 kommt im Frühjahr der erste Band einer neuen Trilogie aus dem 19. Jahrhundert, die 2019 und 2020 fortgesetzt wird. Was dann im Herbst 2018 kommt, ist noch ein Geheimnis.

Vielen Dank!

Vita August 2016 

Iny Lorentz ist das Pseudonym eines Autorenpaares, das 2003 mit "Die Kastratin" seinen ersten historischen Roman veröffentlichte. Mit dem Roman "Die Wanderhure" erreichten sie eine Millionenauflage. Mittlerweile fanden 37 Ausgaben ihrer Romane einen Platz auf der Bestsellerliste.

Mehr als 20 Romane des Autorenpaares, davon 19 Iny-Lorentz-Titel wurden bislang in eine fremde Sprache übersetzt.

Die Iny Lorentz Romane "Die Wanderhure", "Die Kastellanin" (als "Die Rache der Wanderhure"), "Das Vermächtnis der Wanderhure" wurden von Sat 1, sowie "Die Pilgerin" und "Das goldene Ufer" vom ZDF verfilmt und erfolgreich ausgestrahlt.

Im Sommer 2014 fand im Rahmen der Bad Hersfelder Festspiele die Premiere der Bühnenfassung der "Wanderhure" statt. Die Aufführung auf Schloss Runkelstein bei Bozen in Südtirol wurde 2015 ebenfalls ein großer Zuschauermagnet. Im Winter und Frühjahr 2016 ging "Die Wanderhure" auf Theatertournee und wurde auf 29 Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt.

Auf der Website der beiden Autoren ist eine Auflistung der Werke zu finden.

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