Dienstag, 27. September 2016

Susanne Lieder über das Schreiben


Wo findest du deine Ideen?

Überall. Manchmal höre ich ein Geräusch, das mich an irgendetwas erinnert, oder eine Bemerkung, die ich irgendwo aufschnappe. Das kann oft sehr profan sein. Beim Laufen oder bei einem Spaziergang formt es sich dann zu einer Idee und die schließlich zu einer vagen Geschichte. Ich setze mich hin und schreibe per Hand auf, was mir durch den Kopf geht, bis die Geschichte mehr und mehr Gestalt annimmt. Wobei mir ganz wichtig ist, dass ich einen Namen für meine Hauptfiguren finde. Manchmal habe ich auch zuerst eine Figur im Kopf, über die ich gern erzählen würde. Das ist ganz unterschiedlich. Am besten nachdenken, eine Idee weiterspinnen, kann ich draußen in der Natur.

Was treibt dich beim Schreiben an?

Ganz einfach die Lust, vielleicht kann man es auch Drang nennen, am Geschichten erzählen.
Dieser Moment, in dem eine vage Idee Gestalt annimmt und sich entwickelt, ist unglaublich spannend. Für mich ist das jedes Mal wie eine Art Rausch.

Sicher kommt es auch bei dir vor, dass du gestresst bist und keine Lust zum Schreiben verspürt. Hast du kleine Tricks auf Lager, die dich dann wieder motivieren?

Ich muss zugeben, dass ich nur ganz ganz selten keine Lust zum Schreiben habe. Was vielleicht daran liegt, dass ich schon als kleines Mädchen Bücher schreiben wollte, diesen Traum aber erst über viele Umwege und Jahrzehnte später wahrmachen konnte. Ich freue mich jeden Tag wieder darauf, mich an den Schreibtisch zu setzen. Wenn ich dann doch mal einen kleinen Durchhänger habe, gehe ich nach draußen und mache einen langen Spaziergang. Gartenarbeit hilft auch. Danach bin ich ausgepowert, mein Kopf ist aber hellwach.

Bist du schon einmal in einen Schreibrausch verfallen oder in eine Schreibblockade geraten? 

In einen Schreibrausch falle ich, wie oben schon gesagt, eigentlich immer. Ich bin dann in einem Tunnel, und neben mir könnte die Welt untergehen. Eine richtige Schreibblockade kenne ich Gott sei Dank nicht.

Wie gehst du mit Absagen um?

Als ich noch ohne Agentur gearbeitet habe, waren Absagen sehr frustrierend, weil ich nicht wusste, woran es gelegen hatte. Ein Feedback bekommt man ja selten, nur ein „Tut uns leid, aber wir sehen momentan keine Möglichkeit …“ oder „Wir bedauern sehr, aber Ihr Buch passt zurzeit nicht in unser Programm“. Ich wollte oft alles hinwerfen, weil ich an mir und meiner Arbeit gezweifelt habe.

Vielen Dank!

Susanne Lieder, geboren 1963 in Bad Oeynhausen
Arbeitet seit 2012 als freie Schriftstellerin
Schreibt Romane für und über Frauen in der goldenen Lebensmitte, die natürlich auch Männer lesen dürfen. Unter dem Pseudonym Rieke Schermer schreibt sie Romane mit deutlich jüngeren Protagonisten
Mehr unter: www.susanne-lieder.de

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