Samstag, 29. April 2017

Edith Kneifl, Krimiqueen aus Österreich


Ist das Schreiben von Romanen generell von jedem erlernbar, also Handwerk oder benötigt man dazu unbedingt Talent? Was ist deine Meinung?

Beides ist von Nöten. Mein erster Mann, ein Maler, sagte immer „Kunst kommt vom Machen“. Heutzutage erscheinen aber leider viele schlechte Krimis, denen man anmerkt, dass der Autor/die Autorin kein Talent hat, aber eine gute Lektorin oder ein guter Lektor, den Roman halt trotzdem ganz passabel hinbekommen hat.

Von Autoren habe ich schon gehört, dass das zweite Buch schwieriger zu verfassen ist als das erste. War das auch bei dir der Fall gewesen?

Nein, mein zweiter Roman „In der Stille des Tages“ (1992), der längst vergriffen ist, aber demnächst beim Haymon Verlag wieder als E-Book erscheinen wird, ging mir ganz leicht von der Hand. Ich halte ihn nach wie vor für einen meiner guten Romane. Er spielt übrigens in Houston, Texas, und ist ein Psychothriller.

Du fängst in vielen deiner Romane das Lokalkolorit Wiens ein, so dass man unbedingt Lust bekommt, die Hauptstädter kennenzulernen und sich die Schauplätze anzusehen. Das ist natürlich Absicht? 

Ja, ich mag meine Stadt. Aber vor allem macht es mir Freude, Wien bei meinen Recherchen selbst besser kennenzulernen. Das trifft vor allem auf meine historischen Wien-Krimis mit meinem Lieblingsermittler Gustav von Karoly zu. Mit diesem feschen Gustav habe ich mir eine Art Traummann geschaffen. Er wird ja total dominiert von starken Frauen und ist trotzdem kein Weichei, sondern eben ein ganz sensibler und netter junger Mann.
Mein neuer, bereits  4. Band mit Gustav von Karoly ist übrigens gerade erschienen: „Der Tod liebt die Oper“ (Haymon Verlag 2017). Er spielt sowohl in Wien, zwei Morde in der Wiener Staatsoper: Otello und Violetta (La Traviata) werden ermordet, als auch in Opatija, Kroatien.

In deinen Werken sind die Hauptpersonen oft Frauen. Steckt in jeder ein Stück von dir oder sind sie erfunden.

Selbstverständlich haben alle Figuren, nicht nur die weiblichen, Züge von mir.  Allerdings können sich auch viele meiner Freundinnen in den Protagonistinnen meiner Romane wiederfinden. Oft verkörpern die weiblichen Hauptfiguren aber auch meine Idealvorstellungen von einer emanzipierten Frau, z. B. Katharina Kafka, die mich 4 Romane lang beschäftigt hat. Sie ist eine stolze und mutige Romni. Vielleicht werde ich sogar eines Tages noch einen 5. Roman über Katharina Kafka und ihren schwulen Freund Orlando schreiben. Die beiden sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Woran schreibst du jetzt?

Ich habe gerade begonnen, einen zweiten Roman mit den 3en vom Naschmarkt zu schreiben. Die Arbeit an meinem vorletzten Roman „Tot bist du mir lieber“ (Haymon 2016), UT: Die 3 vom Naschmarkt ermitteln, hat mir großen Spaß gemacht. Ich werde diese drei erfahrenen Frauen weiter ermitteln lassen. Dieses Mal wird es um ein altes Verbrechen gehen, einen angeblichen Selbstmord in der Psychiatrie. Eine Cold Case-Geschichte also, wie schon in einem meiner Lieblingsromane „Blutiger Sand“, (Haymon Verlag 2012), der im Südwesten der USA in den Indianerreservaten spielt. Ich habe damals vor Ort sehr gründlich recherchiert und hatte einen amerikanischen Ureinwohner als Berater und Scout.

Vielen Dank!

Kurzbiographie
Edith Kneifl, Dr. phil., lebt und arbeitet als Psychoanalytikerin und freie Schriftstellerin in Wien. 1992 bekam sie als erste Frau den "FRIEDRICH GLAUSER-PREIS" für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres verliehen. Ihre Romane wurden in  mehrere Sprachen übersetzt, zuletzt: „Mattinata Triestina“, edition Aracne, Rom, 2011 und „Die Tote von Schönbrunn“, die demnächst auf Ungarisch erscheinen wird.
Die Verfilmung ihres Romans „Ende der Vorstellung“ (Filmtitel: „Taxi für eine Leiche“, Regie: Wolfgang Murnberger) wurde als bester Fernsehfilm des Jahres mit der ROMY 2003 ausgezeichnet.

Veröffentlichungen:
23 Kriminalromane und ca. 80 Kurzgeschichten

Letzte Romane:
„Totentanz im Stephansdom“, 2015,  „Tot bist du mir lieber“, 2016,  „Der Tod liebt die Oper“, 2017, alle Haymon Verlag, Innsbruck.

Herausgeberin der 13 Tatort Anthologien beim FALTER Verlag, zuletzt: „Tatort Hofburg“, April  2016, „Tatort Gemeindebau“, September 2016. „Tatort Hauptstadt“, 13 Kriminalgeschichten aus Wien von Edith Kneifl, April 2017.

Weitere Informationen über die Autorin finden Sie unter www.kneifl.at und www.facebook.com/edithkneifl

Sonntag, 23. April 2017

Karsten Kruschel, Schriftsteller


Beruflich hast du bereits eine Menge gemacht. Bist du ein Getriebener, der schreibt?

Eher ein Schreiber, den's manchmal umtreibt. Meine beruflichen Veränderungen waren ja meistens eher irgendwelchen Umständen geschuldet. Mal erwies sich ein Studienplatz als blöd gewählt, ein andermal wollte sich die weltweit gefürchtete Nationale Volksarmee einen mehrfach am Knie operierten Endzwanziger nicht entgehen lassen, mal ging ein Staat unter und die als beruflicher Hort geplante Hochschule gleich mit, mal rüttelte eine ABM den Bach hinab, mal ging ein Arbeitgeber in die Insolvenz, und immer mußten irgendwie die Brötchen verdient werden. Geschrieben habe ich immer, seit ich schreiben kann, und manchmal gab's auch Gelegenheiten, die beim Schopf zu packen waren. Und wenn es das Verticken von Oldtimer-Ersatzteilen bei eBay war. Irgendwas ist halt immer.

Du verfasst Romane des Genres Science-Fiction. Warum?

Zunächst einmal, weil es mir Spaß macht. Und: Weil dieses Genre eigentlich gar kein Genre ist, sondern ein spezieller Modus der Gegenwartsliteratur (wie übrigens auch der Kriminalroman). Und dieser Modus erweitert die Möglichkeiten, über die Wirklichkeit zu schreiben, um einen unendlichen Raum von Spielwiesen, die man als Verfasser obendrein auch noch selbst erschaffen kann. Ob es um die Raffinesse der Politik-Betrügereien, die Arroganz der Macht, die Lächerlichkeit von Obrigkeiten oder das Staunen über sich selbst geht - über all das habe ich in meinen Büchern schon geschrieben. Verfremdet halt, überspitzt, verdreht - und gerade das macht den Reiz aus. 

Brauchst du dazu eine besondere kreative Stimmung?

Ja. Aber in die Stimmung komme ich von alleine, wenn ich erstmal angefangen habe. Musik kann helfen, wobei die unterschiedlich sein kann. Manchmal Philip Glass, manchmal Porcupine Tree oder die Pixies oder alter 70er-Jahre Progrock. Vor allem brauche aber das Wissen, daß ich nun soundsoviel ungestörte Zeit zum Schreiben vor mir habe. 

Woran arbeitest du jetzt?  

An einigen Kurzgeschichten und Novellen, vor allem aber am nächsten Roman aus dem Universum nach Landau, der den Arbeitstitel "Der verborgene Plan" trägt. Da geht es um einige Aspekte dieses Universums, die in den bisherigen fünf Büchern nur so am Rande kurz aufgetaucht sind. Eine gewisse Rolle spielt dabei auch ein Vilmer, der sich in die Fremde aufgemacht hat und natürlich immer schief angesehen wird wegen seines "großen Hundes". Und Atibon Legba wird wieder besucht, aber dieses Mal wird die Weltraumstation aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Es gibt auch einen Karnesen in der Handlung und natürlich die Goldenen und den Orden der Leibowitzianer.
Und dann gibt es da noch eine ganze Reihe anderer Projekte, die der Verwirklichung harren, darunter einige Science Fiction-Bücher von außerhalb des Landau-Universums und ein Kriminalroman.

Über was willst du unbedingt noch in deinem Leben schreiben?

Das willst du gar nicht wissen... Ein paar: Über Wunder, die keine sind; über die schrecklichen Dinge, die getan werden, um Gutes zu tun; über die gelegentlichen Vorteile der Dummheit; über die Küche, die nur dienstags da ist; über die tödliche Gefahr, seinen eigenen Vorurteilen zu glauben; und über das Ende der Unsterblichen.

Vielen Dank!

Kurzvita:

Karsten Kruschel studierte Pädagogik, Germanistik und Geschichte, war Lehrer und Chefredakteur einer Zeitschrift, promovierte über die SF-Literatur der DDR und ist heute freier Schriftsteller. Er wurde mit dem Kurd-Laßwitz-Preis und zweimal mit dem Deutschen Science Fiction-Preis ausgezeichnet.

Bücher:

Raumsprünge, Erzählung, 1985         
Das kleinere Weltall, Erzählungen, 1989
Vilm. Der Regenplanet, Roman, 2009
Vilm. Die Eingeborenen, Roman, 2009
Galdäa. Der ungeschlagene Krieg, Roman, 2011
Armageddon mon amour, Erzählungen (mit Michael Marrak), 2012
Vilm. Das Dickicht, Roman, 2013
Das Universum nach Landau. Roman in Dokumenten und Novellen, 2016

Website: karstenkruschel.de

Copyright Autorenfoto: Peter Fleissner
Copyright Buchcover: Wurdack Verlag