Sonntag, 23. April 2017

Karsten Kruschel, Schriftsteller


Beruflich hast du bereits eine Menge gemacht. Bist du ein Getriebener, der schreibt?

Eher ein Schreiber, den's manchmal umtreibt. Meine beruflichen Veränderungen waren ja meistens eher irgendwelchen Umständen geschuldet. Mal erwies sich ein Studienplatz als blöd gewählt, ein andermal wollte sich die weltweit gefürchtete Nationale Volksarmee einen mehrfach am Knie operierten Endzwanziger nicht entgehen lassen, mal ging ein Staat unter und die als beruflicher Hort geplante Hochschule gleich mit, mal rüttelte eine ABM den Bach hinab, mal ging ein Arbeitgeber in die Insolvenz, und immer mußten irgendwie die Brötchen verdient werden. Geschrieben habe ich immer, seit ich schreiben kann, und manchmal gab's auch Gelegenheiten, die beim Schopf zu packen waren. Und wenn es das Verticken von Oldtimer-Ersatzteilen bei eBay war. Irgendwas ist halt immer.

Du verfasst Romane des Genres Science-Fiction. Warum?

Zunächst einmal, weil es mir Spaß macht. Und: Weil dieses Genre eigentlich gar kein Genre ist, sondern ein spezieller Modus der Gegenwartsliteratur (wie übrigens auch der Kriminalroman). Und dieser Modus erweitert die Möglichkeiten, über die Wirklichkeit zu schreiben, um einen unendlichen Raum von Spielwiesen, die man als Verfasser obendrein auch noch selbst erschaffen kann. Ob es um die Raffinesse der Politik-Betrügereien, die Arroganz der Macht, die Lächerlichkeit von Obrigkeiten oder das Staunen über sich selbst geht - über all das habe ich in meinen Büchern schon geschrieben. Verfremdet halt, überspitzt, verdreht - und gerade das macht den Reiz aus. 

Brauchst du dazu eine besondere kreative Stimmung?

Ja. Aber in die Stimmung komme ich von alleine, wenn ich erstmal angefangen habe. Musik kann helfen, wobei die unterschiedlich sein kann. Manchmal Philip Glass, manchmal Porcupine Tree oder die Pixies oder alter 70er-Jahre Progrock. Vor allem brauche aber das Wissen, daß ich nun soundsoviel ungestörte Zeit zum Schreiben vor mir habe. 

Woran arbeitest du jetzt?  

An einigen Kurzgeschichten und Novellen, vor allem aber am nächsten Roman aus dem Universum nach Landau, der den Arbeitstitel "Der verborgene Plan" trägt. Da geht es um einige Aspekte dieses Universums, die in den bisherigen fünf Büchern nur so am Rande kurz aufgetaucht sind. Eine gewisse Rolle spielt dabei auch ein Vilmer, der sich in die Fremde aufgemacht hat und natürlich immer schief angesehen wird wegen seines "großen Hundes". Und Atibon Legba wird wieder besucht, aber dieses Mal wird die Weltraumstation aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Es gibt auch einen Karnesen in der Handlung und natürlich die Goldenen und den Orden der Leibowitzianer.
Und dann gibt es da noch eine ganze Reihe anderer Projekte, die der Verwirklichung harren, darunter einige Science Fiction-Bücher von außerhalb des Landau-Universums und ein Kriminalroman.

Über was willst du unbedingt noch in deinem Leben schreiben?

Das willst du gar nicht wissen... Ein paar: Über Wunder, die keine sind; über die schrecklichen Dinge, die getan werden, um Gutes zu tun; über die gelegentlichen Vorteile der Dummheit; über die Küche, die nur dienstags da ist; über die tödliche Gefahr, seinen eigenen Vorurteilen zu glauben; und über das Ende der Unsterblichen.

Vielen Dank!

Kurzvita:

Karsten Kruschel studierte Pädagogik, Germanistik und Geschichte, war Lehrer und Chefredakteur einer Zeitschrift, promovierte über die SF-Literatur der DDR und ist heute freier Schriftsteller. Er wurde mit dem Kurd-Laßwitz-Preis und zweimal mit dem Deutschen Science Fiction-Preis ausgezeichnet.

Bücher:

Raumsprünge, Erzählung, 1985         
Das kleinere Weltall, Erzählungen, 1989
Vilm. Der Regenplanet, Roman, 2009
Vilm. Die Eingeborenen, Roman, 2009
Galdäa. Der ungeschlagene Krieg, Roman, 2011
Armageddon mon amour, Erzählungen (mit Michael Marrak), 2012
Vilm. Das Dickicht, Roman, 2013
Das Universum nach Landau. Roman in Dokumenten und Novellen, 2016

Website: karstenkruschel.de

Copyright Autorenfoto: Peter Fleissner
Copyright Buchcover: Wurdack Verlag

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